Das Erste, was ich in meiner Reha lernen musste, ist, dass das Leben eine Komödie ist – und ich bin darin der Hauptdarsteller. Ich möchte gerne ein paar Eigenheiten und Erlebnisse aus meiner Reha berichten.
Bevor Meckerer und Grantler um die Ecke kommen und mir vorwerfen, ich würde Leute bloßstellen: Die Personen, die ich hier benenne, sind nicht real, und die Namen haben absolut nichts mit den echten Menschen aus der Reha zu tun. Aber ja – so oder so ähnlich, wie ich es schildere, habe ich es erlebt.
Ich brauche eine Zeitmaschine
Der junge Mann, der mich auf mein Zimmer führte, meinte, als ich etwas hektisch äußerte, dass ich noch Gepäck holen müsse: „Ruhig Blut, keinen Stress machen. Sie sind hier, um sich zu erholen.“
Es war keine Woche vergangen, da stellte ich mir die Frage: „Hat er das ernst gemeint?“
In der Reha bekommt man einen Plan. Der ist in der Regel auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt und soll dafür sorgen, dass man sein Reha-Ziel erreicht. Natürlich gibt es Tage mit mehr oder weniger Programm, aber im Normalfall ist alles minutiös durchgetaktet.
Mittwoch. Erst Gerätetraining – also Hallenschuhe anziehen –, dann ein Vortrag, danach Mittagessen. Weiter ging es mit Geh-Training draußen. Kaum fünf Minuten unterwegs, sollte ich in die Sporthalle zur Reha-Gymnastik. Mein Geh-Training dauert aufgrund von Gewicht und fehlender Kondition schon mal länger, also war die Zeitplanung ohnehin sportlich. Rechne ich noch dazu, dass ich nach dem Geh-Training die Hallenschuhe wieder anziehen musste, bedeutete das: Spurt aufs Zimmer, Schuhe wechseln, Handtuch schnappen und Vollgas ins Untergeschoss.
Donnerstag. Hydrojet-Termin. Für alle, die nicht wissen, was das ist: Stellt euch ein Wasserbett vor – nur mit Düsen darunter, die gezielt starke Wasserstrahlen auf Rücken, Arme und Wirbelsäule schießen. Das Ganze ist leicht gewärmt und fühlt sich an wie eine Massage von Poseidon persönlich.
Ich sage immer: „So ein Ding über Nacht, und ich steige am nächsten Morgen als Pudding aus dem Bett.“
Natürlich freut man sich auf so eine Einheit. Aber: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Denn jeder will auf den Hydrojet, und Ersatztermine gibt’s eher in der Theorie.
Vorher hatten wir einen Vortrag. Zwei Leute kamen zu spät, die Vortragende nahm es locker und sprang zurück, was die ganze Veranstaltung in die Länge zog. Am Ende hatte ich genau drei Minuten, um zwei Etagen zu überwinden. Mein Knie war natürlich begeistert, und Treppen sind mein erklärter Endgegner.
Am Ende hat es zwar immer irgendwie geklappt, aber „keinen Stress machen“? Das sieht dann doch anders aus.
Meine Zeit – Deine Zeit
Die Leiterin der Pflegeabteilung hielt zu Beginn einen Vortrag und mahnte uns eindringlich: Pünktlichkeit sei oberstes Gebot. Wer zu spät kommt, riskiert, vor verschlossenen Türen zu stehen.
Am ersten Tag nahmen wir das alle ernst. Jeder war mindestens zehn Minuten zu früh, die Flure waren verstopft, die Räume belagert. Ironischerweise startete fast alles mindestens fünf Minuten zu spät – außer der Blutzuckermessung, die pünktlicher war als ein Schweizer Uhrwerk.
Spätestens nach einer Woche sieht das dann so aus: Die Patienten kommen pünktlich, die Vortragenden oder Therapeuten drei Minuten zu spät. Einer meiner Mitpatienten meinte trocken: „Das ist Taktik. Erst kommen alle früh, dann fangen die an, pünktlich zu sein – und wir haben unsere drei Minuten wieder!“
Überlebensfähig
Man soll nicht über andere lästern. Oft genug benimmt man sich selbst ja wie der letzte Trottel. Aber ich liebe es, über die Generationen Y bis Z herzuziehen – diese Spezies, die ich manchmal ernsthaft nicht als Menschen bezeichnen möchte. Aber jetzt muss ich eingestehen: Meine eigene Generation ist auch nicht besser.
Ein Beispiel: Erdgeschoss. Eine Frau fragt mich hektisch: „Wo ist Raum 487.6?“ Ich erkläre ihr, dass sie im Erdgeschoss sei. Sie schaut mich völlig verwirrt an: „Heißt das, ich bin hier falsch?“ – „Ja, die erste Ziffer steht für die Etage. Und, falls Sie es übersehen haben: Unter der Zimmernummer steht auch noch mal die Etage.“ Sie: „Da steht vierte Etage! Dann bin ich hier falsch?“ Ich: „…“
Ein anderer Fall: Linda. Eine korpulente Frau Mitte 40, die ununterbrochen redet. Über alles. Über kalorienreiche Kochrezepte, ihre Lieblingskuchen, US-Krimiserien – die Frau hat ein Thema für jeden Moment. Eigentlich konnte man aus den Gesprächtthemen schon entnehmen, warum die Hülle und Fülle so ist, wie sie ist und damit auch warum sie in den Diabetes-Kursen gelandet war. Und dann, beim ersten Treffen mit der Ernährungsberaterin, sagt sie völlig ernst: „Keine Ahnung, warum ich hier bin. Meine Hausärztin hat mich angemeldet.“
Und am Ende?
Das waren alles Punkte, die man noch humorvoll nehmen kann. Was mir jedoch den Humor gründlich raubt, ist, wenn Menschen mit Infekten zur Reha kommen und erst mal alle anstecken. Gegen Ende fielen bei mir immer mehr Termine aus, weil die Therapeuten krank waren. Immer mehr Zimmer trugen den freundlichen Hinweis: „Wenn du hier rein willst, musst du dich erst im Schwesternzimmer melden.“
Natürlich freut sich niemand, eine Reha verschieben zu müssen, aber: Leute, denkt doch mal nach! Wenn ihr die Hälfte der Zeit mit Husten und Schnupfen im Zimmer hockt und alle anderen ansteckt, schadet ihr euch und anderen. Reha-Effekt gleich null.
Foto: Norbert Beck / Beitragsbild-Layout: Canva-Pro und Norbert Beck
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- Einst wollte er nur laufen. Dann kamen gesundheitliche Rückschläge und die Pflege eines Angehörigen, was zu einem jahrelangen Leben am gesundheitlichen Limit führte. Nun ist er wieder auf dem Weg zurück und sagt immer noch: „Ich bin schlank, man sieht doch nichts!“ Seine Ziele: gesünder leben, Kilos verlieren, Spaß haben und irgendwann wieder laufen.
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Einst wollte er nur laufen. Dann kamen gesundheitliche Rückschläge und die Pflege eines Angehörigen, was zu einem jahrelangen Leben am gesundheitlichen Limit führte. Nun ist er wieder auf dem Weg zurück und sagt immer noch: „Ich bin schlank, man sieht doch nichts!“ Seine Ziele: gesünder leben, Kilos verlieren, Spaß haben und irgendwann wieder laufen.